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Am Balkon des Goldenen Dachls

Fresken-Goldenes_Dachl_Innsbruck
Fotografie der Fresken am Balkon des Goldenen Dachls

Als Fotograf habe ich oft das Glück, Orte zu besuchen, die nicht immer so leicht zugänglich sind. Auf den Balkon des Goldenen Dachls dürfen inzwischen keine BesucherInnen mehr, einen der Gründe dafür sieht man auf den Detailfotos leider nur allzu gut. Umso wichtiger war es dem Museum Goldenes Dachl, die Fresken möglichst genau zu dokumentieren. Seit dieser Aufnahme gehe ich mit anderen Augen durch die Innsbrucker Altstadt. Wenn es der Lichteinfall erlaubt, ist die Freude, eines der Gesichter auch von unten zu sehen immer besonders groß. Ansonsten lohnt sich ein Besuch im Museum natürlich immer. Durch geschickt aufgestellte Spiegel können die Interessen der BesucherInnen und des Denkmalschutzes wunderbar zusammengebracht werden.

Die Wand von ca. 3×4 Metern aus einer Entfernung von einem knappen Meter unverzerrt zu fotografieren, war wohl -neben den wechselnden Beleuchtungsverhältnissen- die größte Herausforderung. Mit einer Kombination aus verschiedenen Panorama-Fotos ist aber eine maßstabsgetreue Abbildung der Wandmalereien gelungen. Dass diese Technik nur für zweidimensionale Objekte funktioniert, lässt sich schön an der unnatürlichen Verzerrung der kleinen Figuren am Beginn der Spitzbögen beobachten.

Nachfolgende Details sind alle dem Foto der Gesamtansicht entnommen. Wer die dargestellten Personen auf dem Balkon des Goldenen Dachls tatsächlich waren, ist eines der vielen Rätsel, die Innsbrucks Wahrzeichen nach wie vor aufgibt – egal wie oft es schon fotografiert wurde. Einen kurzen kunsthistorischen Überblick gibt es im tollen Blog Innsbruck erinnert sich.

Detail der Fresken am Balkon des Goldenen Dachls
Detail der Fresken
Detail der Fresken
Detailfoto der Fresken unter dem Goldenen Dachls

Monographie Artur Nikodem

Ölgemälde Artur Nikodem
Ölgemälde mit Birken von Artur Nikodem
Ölgemälde mit Birken von Artur Nikodem
Ölgemälde mit Birken von Artur Nikodem

Birken mochte ich schon immer gerne. Seit der Arbeit für die 2017 im Tyrolia Verlag erschienene Monographie zu Artur Nikodem mag ich sie noch ein wenig mehr. Der umfangreiche, von Günther Dank und Elio Krivdić herausgegebene Band bietet natürlich einen viel größeren Überblick über Nikodems Werk als meine Birkenliebhaberei. „Bäume schön wie Menschen, Menschen schön wie Blumen“, ließe sich mein Eindruck von Nikodems Werk zusammenfassen.

So war es auch interessant und lehrreich, die vielfältigen und ausdrucksstarken Portraits zu fotografieren. Schließlich beschäftige ich mich als Fotograf auch mit Portraits. Es ist nicht bei jedem Maler so, dass mir praktisch jedes Bild seines Werkes gefällt und etwas sagt. Aber zu Nikodems Werken habe ich einen direkten Zugang, sozusagen auf den ersten „Klick“. Und so war die Arbeit an diesem herrlichen Buch – zusammen mit den Fotografien für das Chryseldis-Buch und das Wilfried-Kirschl-Werkverzeichnis eine besonders angenehme.

Beleuchtungstechnisch waren die Aufnahmen nicht immer ganz einfach: Teils starke Kontraste, kräftige Farben und oft glänzender Firnis haben das Fotografieren zu einer gewissen Herausforderung gemacht. Urteilen Sie selbst über das Ergebnis und sehen Sie hier noch – meine persönliche – Auswahl von besonders faszinierenden Ölgemälden Nikodems, oder genießen Sie Artur Nikodems Kunst in der Monographie.

Chryseldis

Chryseldis, Selbstportrait

Weiß auf Weiß, Farbe in Glas, starke Konstraste, leuchtende Töne, kleine Formate, riesige Scheiben – kurzum: ein einmaliges Werk, aber nicht immer einfach zu fotografieren. Umso mehr Ehre war es mir, das vielseitige Werk dieser Tiroler Künstlerin fotografisch zu dokumentieren.

Zwei Jahre nach ihrem Tod erschien 2019 die erste umfassende Monographie von Chryseldis Hofer-Mitterer im Tyrolia Verlag. Ich durfte mit einem Großteil der Fotos dazu beitragen. Steindrucke, Glasfenster, Malereien, vor allem auf Papier, in kräftigen Farben und in Chryseldis‘ unverwechselbarer Bildsprache haben immer wieder von Neuem großen Eindruck auf mich gemacht, den ich mit meinen Fotos an die Betrachter der Monographie weiterzugeben hoffe.

Schöne Erfahrungen waren auch die Zusammenarbeit mit der Tyrolia und den Herausgebern Günther Dankl und Elio Krivdić und die Begegnungen mit den BesitzerInnen und BehüterInnen der empfindlichen Originale. Einige Reisen führten mich ins Tiroler Oberland, aus dem Chryseldis stammt. Wenn sie auch später in Innsbruck und Hall lebte, blieb das Oberland, seine Orte und Täler, in Chryseldis‘ Werk immer präsent. Die Eindrücke ihrer Kindheit und Jugend und die lebenslang starke Bindung zur Tiroler Bergwelt wurden zu Motiven ihrer Kunst. So beispielsweise die letzten Schneeflecken auf den Bergen – sie tauchen in ihrem Werk immer wieder auf. Meine fotografische Abneigung gegen ebendiese vermeintlich störenden Flecken musste ich im Verlauf dieses Auftrages überdenken und ablegen. Diese letzten Schneeflecken haben mir als wiederkehrendes Motiv von Chryseldis‘ Kunst ihre Schönheit offenbart.

Chryseldis, 1966

Wilfried-Kirschl-Werkverzeichnis

Detail Ölgemälde Wilfired Kirschl

Einer der schönsten Aufträge, die mich in den letzten Jahren begleitet haben. Es ging um nichts weniger als die digitale Reproduktion einiger hundert Ölgemälde aus dem großartigen Schaffen des Tiroler Malers Wilfried Kirschl.

Beitragen konnten meine Fotografien letztendlich zu dem Buch „Raum Licht Volumen – Wilfried Kirschl – Das malerische Werk“. Der Band erschien 2020 im Tyrolia Verlag und wurde herausgegeben von Philipp Christoph Haas, Carl Kraus und Walter S. Methlagl.

Detail Ölgemälde Wilfired Kirschl

Kirschls oft monochrome, flächige Malerei erforderte eine etwas andere Art der Beleuchtung, als normalerweise bei Gemäldereproduktionen üblich. So entschieden wir uns für eine Mischung aus farbgebendem Auflicht und einem die Struktur betonenden Streiflicht. Mit jeder Begegnung faszinierten mich Kirschls Bilder noch mehr: der fotografische Detailblick auf den Farbauftrag, die beeindruckende Vielzahl an Farbtönen und -nuancen und die unermüdliche Genauigkeit des außergewöhnlichen Malers.

Aber auch der Blick auf das große Ganze, die Stadtansichten, die herrlichen Eindrücke von griechischen Inseln, das Spüren der Wärme und des Lichts machen diese Bilder zu einem Genuss. Entsprechend schwer fiel es mir, hier eine Auswahl an besonderen Motiven zu treffen. So habe ich einfach ein paar meiner etwa 400 Lieblingsbilder ausgesucht. Der Schwerpunkt liegt hier auf solchen, die fotografisch eine besonders vorsichtige Herangehensweise erforderten.

digital Reproduktion eines Ölgemäldes

Neben all dem Kunstgenuss war es ein ganz besonderes Erlebnis, so vielen FreundInnen und WeggefährtInnen des Malers zu begegnen. Die vielen Anekdoten aus seinem Alltag, von seinen Reisen und über seine exakte Arbeitsweise waren nicht nur professionell, sondern auch menschlich eine große Bereicherung. Wie schon eingangs geschrieben: einer der schönsten Aufträge meiner Karriere als Fotograf.

Das Riesenrundgemälde in 2 x 1365 Einzelteilen

das_Tirol-Panorama
das_Tirol_Panorama

Fragt man Innsbruckerinnen und Innsbrucker nach dem „Tirol Panorama“, kann es passieren, dass man zunächst in verständnislose Gesichter blickt. „Ach so, das Riesenrundgemälde!“, heißt es dann, wenn sich diese aufhellen. Dieser Name stand auf dem Gebäude, wo das Gemälde von 1906 bis 2010 beheimatet war. Und tatsächlich macht der alte Name gleich viel greifbarer und vorstellbarer, worum es sich handelt, finde ich ich: nämlich ein riesiges, rundes Gemälde. Damit wäre auch schon die fotografische Herausforderung benannt. Auf über 1.000 Quadratmetern stellt das Panorama die dritte Schlacht am Bergisel der Tiroler Aufständischen gegen die bayerische und französische Armee dar.

Nun brauchten die Tiroler Landesmuseen zur Dokumentation hochauflösende und perspektivisch entzerrte Panoramafotos dieses außergewöhnlichen Gemäldes. Was einfach klingt, ist eine äußerst komplexe Aufgabe. Diese vertrauten mir Dipl.-Rest.in(univ) Laura Resenberg, Leiterin der Restaurierung, und Dr.in Sonia Buchroithner, Leiterin des Tirol Panorama, an.

Fotografieren in mondloser Nacht

Ein Gemälde, wie wir es kennen, ist auf einen rechteckigen Keilrahmen gespannt und flach. Das Riesenrundgemälde ist im Kreis aufgehängt. Die ist aber nun kein einfacher Zylinder, sondern ein Hyperboloid. Klingt kompliziert? Das ist es auch! Ein Hyperboloid lässt sich beschreiben als Zylinder mit schlanker Taille. Die extreme Verzerrung, die optisch die perfekte Panorama-Illusion erzeugt, muss fotografisch „aufgelöst“ werden, um das Gemälde auf den Bildschirm zu übertragen.

Ich machte mich also auf zum Bergisel ins Tirol Panorama, die neue Heimat des Riesenrundgemäldes, und stellte mich Andreas Hofers Herausforderung, die detailreiche Mammutaufgabe zu bewältigen. Zwei mal 1.365 Fotos habe ich aufgenommen, in zwei mondlosen Nächten. Nein, der Bergisel-Mythos ist mir nicht zu Kopf gestiegen. Das war nötig, um jegliche variablen Lichteinflüsse auszuschließen. Im ersten Durchlauf machte ich 1.365 Aufnahmen mit dem dort installierten Koordinatensystem als Referenz. Im zweiten wiederholte ich die Fotos noch einmal, um ein digitales Koordinatensystem auf den reinen Bildträger legen zu können.

Tirol_Panorama-Foto
Tirol_Panorama-Raster

Die Mühe hat sich gelohnt. Nicht nur, um ein außergewöhnliches Gemälde zu dokumentieren und der Nachwelt für immer zu erhalten. Auch, weil es die Augen öffnet für unzählige tolle Details, wenn man ein einziges Gemälde in 1.365 Teile zerlegt und jedes davon genau unter die „Linse“ nimmt.